Krisensituationen sind immer eine Herausforderung. Die jetzige eine extra große, weil die Perspektive fehlt. Keiner kann uns sagen was uns noch erwartet (gesundheitlich, beruflich, privat) und ein definitives Ende ist auch noch nicht auszumachen.

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„Was vergangen ist, ist vergangen und du weißt nicht

was die Zukunft dir bringen mag.

Aber das Hier und Jetzt, das gehört dir.“

(Der kleine Prinz, Antoine de Saint-Exuper`y)

 

Ein Zitat aus „Der kleine Prinz“ für euch, ich finde es verdeutlicht sehr gut, dass wir sowieso immer nur das Jetzt beeinflussen können.

Klar wir machen Pläne, denken Groß, arbeiten auf etwas hin, oft gelingt es, manchmal müssen wir umdisponieren, aber wirklich beeinflussbar ist nur das Jetzt.

 

Was bewegt eure Azubis jetzt?

Sie sind zwischen 15 und Anfang 20, besitzen wenig Lebenserfahrung, die ganz großen Krisen blieben ihnen erspart, sie sind in wirtschaftlich und sozial stabilen Verhältnissen, in vermeintlicher Sicherheit aufgewachsen.

In welcher Lage befinden Sie sich gerade?

Im Beruf

  • isoliert im Homeoffice oder mit großer Distanz zu den Kollegen
  • Kurzarbeit
  • Sorge um den Arbeitsplatz, die berufliche Zukunft
  • Unsicherheit was von Ihnen jetzt erwartet wird
  • fehlender Antrieb, Perspektivlosigkeit

Im Privaten

  • isoliert von Freunden
  • wenig Ausgleich
  • Konflikt beladene Situationen, aufgrund der intensiven Nähe zu den Eltern
  • Angst um die eigene Gesundheit
  • Angst um die Gesundheit von Freunden und Familie
  • Zukunft ist gefühlt weit weg

Bevor es darum geht „was ihr als Ausbilder tun könnt, um eure Azubis in dieser Situation gut zu begleiten“ habe ich mir überlegt heute mal einen Teil meiner privaten Situation mit euch zu teilen.

Wie sieht meine/unsere Situation gerade aus?

Mein Mann und ich sind mit 3 Kindern im Homeoffice. Gerade in der letzten Woche wurde ich öfter gefragt „wie es denn so läuft bei uns“. „Geht es noch mit den Kindern? Ist es sehr stressig?“

Und ganz ehrlich ja es geht, und zwar sogar ganz gut. Klar, es gibt solche und solche Tage, alles andere wäre gelogen! Ich fragte mich also woran es liegt, dass wir eigentlich ganz gut zurechtkommen.

Ich glaube es liegt daran, dass wir einfach nur im Jetzt leben mit den Kindern.

Für unseren kleinen Sohn ist die Situation ganz einfach. Mama und Papa sind da und die Schwestern, da sie nicht in die Schule gehen, oft zum Spielen verfügbar. Er ist glücklich, er fühlt sich so wohl und lernt viel von den Großen, er lebt ganz im Jetzt.

Bei unserer mittleren schwankt es von Tag zu Tag ein bisschen. Sie verbringt viel Zeit im Garten und denkt sich fantasievolle Spiele aus. Sie ist dann mal Prinzessin oder Superheld, spielt viel mit ihrem Bruder. Die Hausaufgaben erledigt sie gut und schnell, aber über die Schule und ihre Freunde mag sie nicht recht nachdenken. Sie bleibt lieber im Jetzt bzw. im Spiel.

Bei der Großen ist es etwas anderes. Sie denkt schon viel mehr über das Morgen nach. Fragt oft „wann darf ich wieder das und das?“ Sie weiß, dass auch wir drauf eigentlich keine Antworten haben! Aber sie braucht die Begleitung durch Gespräche, braucht ganz dringend die Aussicht darauf, dass sie ihr gewohntes Leben wieder zurückbekommen wird. Zumindest irgendwann! Wenn sie spielt oder wir mit dem Fahrrad unterwegs sind, dann ist sie ganz im Jetzt und genießt es so viel Zeit mit uns allen zu haben.

Warum erzähle ich davon?

Ich denke für Jugendliche oder junge Erwachsene ist es viel schwieriger im Jetzt zu sein. Obwohl diese Situation die einzig beherrschbare ist. Die Pläne sind groß und das Interesse am Außen, an den gewonnenen Freiheiten auch. Sie blicken aktuell in eine ungewisse Zukunft und haben noch nicht die Erfahrung oder innere Stabilität damit klar zu kommen.

Was können wir als Ausbilder tun, um unsere Azubis in dieser Situation gut zu begleiten? Wie können wir für etwas Perspektive und Sicherheit im Jetzt sorgen?

Struktur vorgeben und dadurch für einen beherrschbaren Alltag sorgen.

Dies kann sehr gut über einen Wochenplan erfolgen.

Hilfreicher Blog hierzu: Azubis im Homeoffice

Gemeinsamkeit schaffen durch tägliche Video-Calls mit den Azubis.

Morgens mit einem Video-Call gemeinsam einloggen und den Tag/Aufgaben absprechen. Am Nachmittag gemeinsames ausloggen. Was lief gut? Was ist liegen geblieben? Wo gibt’s Fragen? usw.

Azubi-Projekte, die im Team mit anderen Azubis vorangetrieben werden können/sollen.

Es gibt tolle Webtools (bspw. popplet for work), die sich zur virtuellen Zusammenarbeit nutzen lassen. Wichtig hierbei: Thema konkret vorgeben und Projektlaufzeit, Projektabschluss verbindlich kommunizieren und als Zielsetzung evtl. die Online-Präsentation der Projektergebnisse. 

Als Ansprechpartner zur Verfügung stehen.

Wir sagen häufig, meldet euch bei Schwierigkeiten. In der Praxis meldet sich dann aber meist doch niemand. Durch die soziale Entfernung wird dieses Angebot vermutlich auch nicht besser wahrgenommen. Evtl. könnt ihr einen festen Video-Call Termin jeweils einzeln mit euren Azubis vereinbaren. Wer viele Azubis betreut, wird dies so nicht leisten können.

Unter Trainer-Lounge.net hab ich ein Template zur Stimmungsfrage gefunden, das du als Ausbilder mit mehreren zu betreuenden Azubis einsetzen kannst.

Gemeinsames sportliches Ziel setzen

Du könntest deinen Azubis ein gemeinsames sportliches Ziel, natürlich auf freiwilliger Basis, vorschlagen und dafür eine Belohnung ausloben. Das bringt den nötigen sportlichen Ausgleich und spornt an. Jeder kann für sich bspw. radeln oder joggen und die zurück gelegten Kilometer werden gemeinsam getrackt. Nach erreichtem Ziel x Gesamtkilometer gibt’s die Belohnung.

 

Ich hoffe die ein oder andere Idee ist für euch dabei! Ich wünsche euch viel Kraft und Durchhaltevermögen.