Unsere Rolle als Ausbilder wandelt sich, vom klassischen Unterweiser zum Begleiter von Lernprozessen, der selbstgesteuertes Lernen fördert und ermöglicht. Das sich ändernde Ausbildungsverständnis und die Digitalisierung fördern und erfordern diesen Wandel.  

Aber was bedeutet das konkret für uns Ausbilder?

Was sind unsere Aufgaben hierbei und welche Kompetenzen benötigen wir?

Ausbildung an sich verändert sich, das ist nichts gänzlich Neues. Die Handlungsorientierung und das bedarfsorientierte Lernen stehen seit Jahren im Fokus. Das ist Angekommen! Aber auch die Art des Lernens in der Ausbildung wird eine Andere.

Die aktuelle Generation der Auszubildenden ist es durch die digitalen Medien gewohnt sich Wissen auf unterschiedlichste Arten online anzueignen oder zu recherchieren. Sie sind viel mehr Kontext- oder Pull-Lerner, das heißt ein Problem oder eine Frage ergibt sich und es wird aus Eigenmotivation heraus nach der Antwort „geforscht“. Diese Tatsache macht es uns Ausbildern auf lange Sicht unmöglich mit den klassischen Lehrmethoden Wissen hineinzupressen. 

Lernprozessbegleitung als alternative Lernmethode

Die Lernprozessbegleitung stellt eine Alternative zu den klassischen Ausbildungsmethoden, bspw. der Unterweisung oder der 4-Stufen-Methode, dar und kommt dem Lernverhalten unserer Digital Natives sehr entgegen!

Beim Lernen im Arbeitsprozess wird unser Azubi im Rahmen seiner Ausbildung mit für ihn neuen Situationen und Aufgaben konfrontiert, die er mit seinem aktuellen Wissensstand nicht lösen kann. Er ist gezwungen zu lernen, sich Lösungen und Strategien auf unterschiedlichste Art zu erarbeiten.

Das bedeutet unsere Aufgabe als Ausbilder ist es heute, Lernprozesse gemeinsam mit den Auszubildenden zu gestalten, zu strukturieren und systematisch zu begleiten und zu reflektieren, so dass die geforderten Inhalte eines Ausbildungsberufsbildes mit dem Wunsch nach selbstgesteuertem, interaktivem Lernen in Einklang zu bringen sind.

In der Praxis ist es häufig so, dass wir das Tun und damit das Lernen unserer Auszubildenden durch zu viele und zu starre Vorgaben schon von vorne herein stark einschränken!

Beispiel: Unser Azubi (Max, 17 Jahre) ist im Wareneingang eingesetzt.

Klassischerweise würden wir ihn mit Hilfe der 4-Stufen Methode darüber unterweisen wie er vorzugehen hat. Das bedeutet wir als „Lehrender“ würden ihm zeigen wie es geht! Wir würden vormachen und erklären, er dürfte unter unserer Aufsicht üben, wir würden die Fehler korrigieren und anschließend bekäme er die Möglichkeit zu üben.

Bei der Lernprozessbegleitung könnte die Situation so aussehen…

„Max, heute haben wir mehrere wichtige Eil-Sendung zu überprüfen, die anschließend sofort in die Produktion gebracht werden sollen. Kannst du bitte diese 4 Sendungen übernehmen! Hier sind die Pakete, die Lieferscheine liegen bei. Bitte achte auf deine Sicherheit im Umgang mit dem Messer! Ich prüfe an meinem Arbeitsplatz die anderen 4 Päckchen. Bevor du die Sendungen in die Produktion bringst, kommst du Bitte zu mir und teilst mir mit, wie du bei der Wareneingangsprüfung vorgegangen bist und ob es Unstimmigkeiten bei diesen Lieferungen gab. Danke!“

Wir als Ausbilder initiieren den Prozess, geben aber den Lösungsweg nicht vor! Anschließend reflektieren wir gemeinsam die Lösung und das Ergebnis.

Wie das Wort Lernprozessbegleitung schon sagt, sind wir Ausbilder hierbei Begleiter und nicht Akteure im Lernprozess. Das bedeutet wir müssen die Herangehensweise unseres Auszubildenden akzeptieren, lernen abzuwarten, zuzuschauen und nicht selbst das Heft in die Hand zu nehmen.  Wir sind der Coach am Rand des „Ausbildungsspielfeldes“! Wir spielen nicht selbst, wir beobachten, beraten, lassen Fehler zu und reflektieren am Ende, kollegial und gemeinsam mit dem Azubi.

Zurück zu unserem Beispiel.

Was glaubt ihr bei welcher Vorgehensweise sind die Wertschätzung, der Lerneffekt und die Aufmerksamkeit des Azubis höher? Welche Methode fördert die Problemlösefähigkeit und das Selbstbewusstsein stärker?

„Fehler vermeidet man, indem man Erfahrungen sammelt. 

Erfahrungen sammelt man in dem man Fehler macht.“

-Laurence J. Peter-

Was sind die Dinge die ich als Ausbilder mitbringen muss, um Lernprozesse begleiten zu können?

  • Aufgeschlossenheit
  • Kreativität
  • Kommunikationsfähigkeit/-geschick
  • Moderationsfähigkeit
  • Problemlösefähigkeit
  • Interesse an alternativen Lernwegen (online und offline)

Die Möglichkeiten, die sich aus der Lernprozessbegleitung ergeben sind vielfältig und sehr individuell.

So wird euer Azubi mit eurer Hilfe und etwas Glück selbst zum Gestalter seiner Ausbildung. laughing

Bei meinem letzten Blog Post teilte ich mit euch meine „4 digitalen Tipps für jeden Ausbilder“. Ich finde besonders die Tipps 2 und 3 sind gute Möglichkeiten Lernprozesse auch digital zu begleiten!